20. Juni 2018

Neuer Rahmenplan vorgestellt – Diskussion mit Bürgern, Gemeinderat und
Mitarbeitern beginnt

Qualitative Interviews mit Geschäftsführern der SRH

Artikel aus der Rhein-Neckar-Zeitung
Von Timo Teufert

Heidelberg. Während nördlich des Neckars noch heftig über den Masterplan für das Neuenheimer Feld gestritten wird, ist die SRH auf der südlichen Neckarseite schon weiter: Seit März 2016 hat man hier in enger Abstimmung mit der Stadtverwaltung ein Zukunftskonzept für den Campus zwischen Mannheimer Straße und Bundesstraße B37 entwickelt. Die ersten Pläne für den Rahmenplan wurden den Stadträten bereits vorgestellt, nun folgt am Donnerstag, 21. Juni, die Präsentation im Bezirksbeirat Wieblingen.

“Wir haben überlegt: Was braucht der Standort Heidelberg für die Zukunft, was braucht eine Stiftung wie die SRH, um auch in 20 Jahren attraktiv zu sein?”, beschreibt Christof Hettich, Vorstandsvorsitzender der SRH, im Gespräch mit der RNZ die Ausgangslage für den Masterplan. So müsse man beispielsweise Wohnraum für Studenten und für die Mitarbeiter im Pflegebereich schaffen, um als attraktiver Arbeitgeber wettbewerbsfähig zu bleiben.

“Unser Vorteil ist, dass wir in Heidelberg einen richtig starken, lebendigen Campus haben, der wahnsinnig viele Möglichkeiten bietet”, sagt Hettich. Dieser lebe nicht nur von der Hochschule, sondern auch von den Fachschulen und Kliniken.

So habe man einen Prozess angestoßen, an dessen Ende der Masterplan für den Campus stehen soll. Dafür habe man Städteplaner aus dem ganzen Bundesgebiet beauftragt, Entwürfe zu entwickeln, wie der Standort künftig aussehen könnte.

“Das ist viel mehr als Architektur. Da geht es zum Beispiel auch um Verkehrs- und Erschließungskonzepte”, erklärt Ulf Grünert, bei der SRH für den Geschäftsbereich Bau und Immobilien zuständig. Insgesamt drei Runden hat es mit den Büros gegeben.

Das Preisgericht, das sich aus Experten für Stadtplanung, Architektur und Landschaftsarchitektur sowie aus Vertretern von Stadt und SRH zusammensetzte, überzeugte schließlich der Entwurf von “Bogevischs Buero” mit Lohrer/Hochrein aus München.

Insbesondere das ausgewogene Verhältnis zwischen Hochbauten und Freiflächen, die überzeugende verkehrliche Erschließung, die Aufenthaltsqualität und das stabile Gerüst, das Handlungsspielräume schafft und eine Identitätsstiftung ermöglicht, überzeugte die Jury.

“Wir wollen den Ideenwettbewerb nun in eine konkrete Planung überführen”, erklärt Grünert. Diese Bauleitplanung soll dann – ähnlich wie in der Bahnstadt – als Grundlage für die zukünftige Entwicklung dienen. “Der Masterplan ist ein konkretes Planungsvehikel, um einzelne Details im Anschluss weiter zu planen”, so Grünert.

Teil der Planung soll auch ein Beteiligungskonzept sein, das derzeit entwickelt wird. “Wir binden die Stadt, Fachleute, unsere Mitarbeiter, unsere Studenten und die Wieblinger mit ein”, verspricht Hettich.

Zentrales Element der Planung ist die “Grüne Mitte”, eine attraktive, große Grünfläche im Zentrum des Campus mit Sport- und Ruhemöglichkeiten. “Für einen strukturierten Grünbereich brauchen wir aber eine maßvolle Verdichtung”, sagt Hettich. Diese soll vor allem an den Rändern des Campus stattfinden, wo die Gebäude konzentriert werden.

Viele Gebäude bleiben erhalten, teilweise denkt man über Ersatzbauten an anderer Stelle nach. Dort, wo sich heute noch das Büro des Vorstandsvorsitzenden befindet, könnten in Zukunft Sportplätze sein.

Mit dem Masterplan will man aber auch das Thema Verkehr angehen: “Wir haben bislang nur eine Zufahrt, das ist keine ideale Erschließung”, sagt Hettich. Außerdem gebe es auf dem Campus mehr Verkehr, als man glaube, und es werde schneller gefahren als erlaubt. “Wir haben nur ein Parkhaus, und die Anbindung an Bus und Bahn ist nicht optimal, genauso wie unsere Erreichbarkeit für Fahrradfahrer”, zählt Hettich die negativen Punkte auf.

Das Konzept von “Bogevischs Buero” und Lohrer/Hochrein sieht deshalb eine ringförmige Erschließung des Campus vor. Die heutige Ludwig-Guttmann-Straße würde dann vor dem Science Tower nach Süden abknicken und auf die Bonhoefferstraße führen. Die Maria-Probst-Straße, die heute im Osten des Geländes die beiden Straßen miteinander verbindet, könnte zurückgebaut werden.

Dafür würde die Bonhoefferstraße einen Anschluss an die Mannheimer Straße bekommen. Auf dieser Ringstraße könnte dann der Bus fahren und den Campus besser erschließen. Die Anlieferung und Versorgung der Gebäude würde über Wege am Rand des Campus erfolgen.

In Richtung “Rittel” ist keine Autoverbindung vorgesehen. Zwischen den OEG-Gleisen und dem SRH-Tower soll es einen Fußgängerbereich geben. Dafür haben die Planer ein Parkhaus südlich des Sportzentrums West vorgesehen, dessen Anbindung an das Straßennetz aber noch offen ist und im Bauausschuss des Gemeinderates zu erster Kritik geführt hat.

Insbesondere zu Wieblingen sucht man bei der SRH deshalb engen Kontakt: “Wir wollen mit den Menschen sprechen, denn es gibt auch Themen, bei denen wir gemeinsame Sorgen haben”, sagt Hettich offen. Beispielsweise der Parksuchverkehr in den umliegenden Wohngebieten: “Wenn wir wüssten, wie wir das abstellen könnten, würden wir es tun”, versichert der Vorstandsvorsitzende.

Deshalb schlage der Masterplan vor, drei kleine dezentrale Parkhäuser zu bauen statt dem einen großen, das es heute gebe. “Und wenn der Individualverkehr in Zukunft abnimmt, sollte eines auch wieder rückbaubar sein”, so Hettich.

2018-12-14T15:30:12+01:00