06. Dezember 2018

SRH-Campus soll lebendiger werden

Bürgern konnten Wünsche zum Masterplan äußern – Verkehr zählte zu den Top-Themen

Von Timo Teufert
Artikel aus der Rhein-Neckar-Zeitung

Heidelberg. Über 100 Menschen waren ins Foyer des blauen Turms gekommen, um mit der SRH über ihren Masterplan für den Campus in Wieblingen zu diskutieren. Zum ersten Mal hatten Bürger bei der Veranstaltung die Möglichkeit, Anregungen für den Rahmenplan vorzubringen, mit dem die SRH ihren Campus in den nächsten Jahrzehnten neu ordnen möchte. Den Wettbewerb für das Grundkonzept hat “Bogevischs Buero” aus München gewonnen. Dieses sieht vor, eine grüne Mitte auf dem Campus zu schaffen. Dafür sollen langfristig das Parkhaus, die Hauptverwaltung sowie das Kurpfalz-Krankenhaus verlegt werden. Gleichzeitig will die SRH auf ihrem Gelände mehr Wohnraum schaffen.

“Wir wollen kein abgeschlossener Campus sein und miteinander nach der besten Lösung suchen”, begrüßte der Vorstandsvorsitzende der SRH, Christoph Hettich, die Gäste. Und damit die Anregungen der Anwohner mit in die Planung einfließen können, hatte die SRH bereits im Vorfeld der Veranstaltung 3500 Postkarten an Haushalte und Institutionen im Umfeld des Campus verteilt, auf denen die Bürger ihre Ideen notieren konnten. “Ich habe die Erwartung, dass durch den Masterplan die SRH besser mit der Stadtgesellschaft verwoben wird”, formulierte Erster Bürgermeister Jürgen Odszuck seinen Wunsch an das Masterplan-Ergebnis.

Rainer Hofmann, Geschäftsführer von “Bogevischs Buero”, stellte den Anwohnern Planung und Grundidee vor: “Wir wollen dem Campus ein Herz geben.” Das soll in Form einer Grünfläche in der Mitte des Areals geschehen. “Wir wollen die Ränder stärken, um die Mitte zu schützen”, erklärte der Planer. Deshalb soll die Bebauung an den Rändern konzentriert werden und auch die Verkehrserschließung über einen zweispurigen Einbahnstraßen-Ring erfolgen, das Parken soll an den Zufahrten dezentralisiert werden. “Es ist ungewöhnlich, so einen Rahmenplan zu erstellen, der mindestens 25 Jahre Bestand haben soll”, sagte Hofmann. Man müsse viel vordenken, noch sei überhaupt nichts fertig.

An drei Themeninseln konnten die Bürger danach mit den Planern ins Gespräch kommen. Besonders Verkehrsexperte Alexander Süßmuth vom Büro “Stadt, Land, Verkehr” war ein gefragter Gesprächspartner. Um ihn scharten sich vor allem die Bewohner des Ochsenkopfs, die derzeit unter dem regelwidrig fahrenden Schleichverkehr vom Rittel auf den Campus leiden. “Die Problematik ist allen bewusst. Niemand will künftig dieses kleine Quartier zum Durchfahren oder Parken nutzen”, versuchte Süßmuth zu beruhigen. Eine Verkehrszählung vom Sommer habe ergeben, dass 5200 Fahrzeuge pro Tag über die Ludwig-Guttmann-Straße auf den Campus fahren und 1500 über den Gutachtweg, bestätigte Süßmuth die Zahlen, die die Siedlungsgemeinschaft Ochsenkopf für den Gutachweg selbst erhoben hatte.

Im neuen Konzept seien doppelt so viele Parkplätze vorhanden wie derzeit benötigt würden. Heute sei das große, zentrale Parkhaus schwer erreichbar, künftig greife man den Verkehr direkt an den Zufahrten ab. Stattdessen soll der Campus über einen neuen Bahnübergang in Richtung Sportzentrum-West an den Rittel angebunden werden. “Der Bahnübergang ist wichtig, weil sich im Westen auch eine Erweiterungsfläche für den Campus befindet”, erläuterte Süßmuth.

Neben dem Themenbereich Mobilität und Verkehr ging es auch noch um die Nutzungen und die Freiräume. “Ich möchte, dass das Schwimmbad als Einrichtung auf dem Campus erhalten bleibt”, sagte eine Teilnehmerin. Für andere war die künftige Architektur wichtig, die vielfältig, lebendig und spannend werden soll. Auch das Thema Einkaufen spielte eine Rolle: “Vielleicht könnte man ja auch einen Wochenmarkt etablieren”, schlug ein Teilnehmer vor. “Am Wochenende und abends ist der Campus zu tot, ich würde mir dort ein Restaurant oder ein Eiscafé wünschen, damit es belebter wird”, sagte ein anderer. Alle Ideen wurden auf Karten gesammelt und am Ende in großer Runde an einem überdimensionalen Stadtplan vorgestellt.

“Heute gab es richtig gute Beiträge und konstruktive Vorschläge”, freute sich Ulf Grünert, Geschäftsbereichsleiter Bau und Immobilien bei der SRH, in seinem Resümee. Den begonnenen Dialog wolle man in jedem Fall fortsetzen.

2018-12-14T15:20:03+01:00